Eine DGUV V3 Prüfung zum ersten Mal zu organisieren wirft viele Fragen auf: Was muss vor Ort vorbereitet sein? Wie läuft die Prüfung selbst ab? Und was passiert mit dem Protokoll danach? Dieser Ratgeber führt Sie als Office-Manager oder Sicherheitsbeauftragte:r Schritt für Schritt durch den gesamten Ablauf — von der Beauftragung über die Vorbereitung und die Messungen nach DIN VDE 0701/0702 und DIN VDE 0100-600 bis zur Archivierung des Prüfprotokolls. So sind Sie am Prüftag souverän aufgestellt und vermeiden unnötige Verzögerungen.
Die Prüfung elektrischer Anlagen und Betriebsmittel nach DGUV Vorschrift 3 (früher BGV A3) ist über die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) verankert und wird durch die TRBS sowie VDE-Normen konkretisiert. Als Arbeitgeber müssen Sie den sicheren Zustand Ihrer elektrischen Betriebsmittel regelmäßig durch eine Elektrofachkraft oder, je nach Prüfobjekt, eine befähigte Person prüfen lassen. Die Organisation liegt bei Ihnen.
Phase 0: Beauftragung — von der Anfrage zum Termin
- Bestandsaufnahme: Wie viele ortsveränderliche Geräte (Laptops, Ladegeräte, Werkzeuge) und welche ortsfesten Anlagen (Verteilerschränke, Maschinen, Steckdosenstromkreise) sind zu prüfen? Liegen Prüfprotokolle früherer Prüfungen vor? Gibt es Besonderheiten wie Schichtbetrieb oder sensible Produktionsbereiche?
- Angebot einholen und vergleichen: Seriöse Anbieter fragen nach Gerätezahl, Standort und gewünschtem Zeitraum. Typische Kostenfaktoren finden Sie in Was kostet eine DGUV V3 Prüfung?, Tipps zur Anfrage unter DGUV V3 Prüfung Angebot anfordern.
- Terminabstimmung: Berücksichtigen Sie Betriebszeiten, Ansprechpartner vor Ort, den Zugang zu Prüfobjekten (Schaltschränke, verschlossene Räume) sowie Anzahl der Geräte und geschätzten Zeitaufwand. Prüfungen lassen sich oft bereichsweise nacheinander oder außerhalb der Kernarbeitszeit organisieren, sodass keine komplette Betriebsunterbrechung nötig ist. Ob und wie das bei Ihnen möglich ist, klären Sie vorab mit dem Prüfdienstleister.
Phase 1: Vorbereitung — was Sie als Auftraggeber leisten
Eine effiziente DGUV V3 Prüfung steht und fällt mit der Vorbereitung. Je besser Ihre Unterlagen und der Zugang vor Ort organisiert sind, desto schneller arbeitet die Elektrofachkraft (EFK) — und desto geringer fällt der Aufwand pro Gerät aus.
Checkliste Vorbereitung Auftraggeber:
- Geräteliste erstellen: Alle ortsveränderlichen und ortsfesten Betriebsmittel inklusive Standort, Hersteller, Typ und (sofern vorhanden) Inventar- oder Seriennummer erfassen. Eine saubere Liste verhindert, dass Geräte übersehen werden.
- Zugang zu allen Räumen sichern: Schlüssel, Zugangskarten oder Codes für Serverräume, Lager, Werkstätten und Besprechungsräume bereithalten. Auch Putzkammern und Teeküchen werden geprüft.
- Strom-Abschaltung ermöglichen: Für ortsfeste Anlagen nach DIN VDE 0100-600 muss der Prüfbereich kurzzeitig stromlos geschaltet werden können. Stimmen Sie kritische Bereiche (Server, Kühlgeräte, Produktion) vorab ab.
- Ansprechpartner benennen: Eine Person, die während der gesamten Prüfung erreichbar ist, Fragen beantwortet und kurzfristige Entscheidungen treffen kann (z. B. zur Stilllegung eines Geräts).
- Mitarbeitende informieren: Kurze Rundmail, dass Arbeitsplätze für die Dauer der Prüfung kurzzeitig geräumt werden müssen. Das spart Diskussionen am Prüftag.
- Vorprotokolle bereitlegen: Frühere Prüfprotokolle erleichtern die Identifikation wiederkehrender Mängel und beschleunigen die Dokumentation.
Praxis-Tipp: Planen Sie die Prüfung wenn möglich außerhalb von Stoßzeiten oder am Randtag — viele Betriebe wählen Freitagnachmittag oder die Zeit zwischen den Jahren.
Phase 2: Prüfablauf vor Ort — was die Elektrofachkraft konkret tut
Die DGUV V3 verweist auf die einschlägigen DIN-VDE-Normen. Welche Schritte durchlaufen werden, hängt davon ab, ob es sich um ein ortsveränderliches oder ein ortsfestes Betriebsmittel handelt. Wer die Prüfung durchführen darf, erläutert der Beitrag Wer darf die DGUV V3 Prüfung durchführen?.
Ortsveränderliche Geräte nach DIN VDE 0701/0702
Hierunter fallen alle steckerfertigen Geräte: Laptops, Bildschirme, Drucker, Kaffeemaschinen, Verlängerungskabel, Mehrfachsteckdosen, Werkzeuge.
- Sichtprüfung: Gehäuse, Stecker, Anschlussleitung und Zugentlastung werden auf Beschädigung, Knickstellen, Brandspuren oder Verschmutzung geprüft.
- Schutzleiterprüfung: Bei Geräten der Schutzklasse I darf der Schutzleiterwiderstand maximal 0,3 Ω betragen.
- Isolationswiderstandsmessung: Mindestwert 1 MΩ — geprüft wird, ob die Isolation zwischen aktiven Teilen und Gehäuse ausreichend ist.
- Schutzleiter- und Berührungsstrommessung: Stellt sicher, dass im Fehlerfall keine gefährlichen Ströme über das Gehäuse abfließen.
- Funktionsprüfung: Das Gerät wird kurz in Betrieb genommen, um die ordnungsgemäße Funktion zu bestätigen.
Ortsfeste Anlagen nach DIN VDE 0100-600
Dazu zählen Verteiler, fest verlegte Steckdosen, Beleuchtung und Festanschlüsse.
- Sichtprüfung der Installation und Beschriftung
- Erder- und Schutzleitermessung
- Isolationsmessung der einzelnen Stromkreise
- Schleifenwiderstandsmessung (Netzimpedanz) zur Bewertung des Kurzschlussverhaltens
- RCD-Test: Auslösestrom und Auslösezeit der Fehlerstrom-Schutzschalter werden geprüft
Wer zusätzlich eine neue Anlage in Betrieb nimmt, findet Details im Beitrag Erstprüfung nach DIN VDE 0100-600.
Plakettierung und Mängelumgang
Jedes geprüfte Gerät erhält eine Prüfplakette mit Prüfdatum und nächstem Prüftermin. Geräte mit Mängeln werden sofort stillgelegt, mit einer "nicht bestanden"-Plakette versehen und im Protokoll dokumentiert. Eine Weiternutzung ist bis zur Reparatur nicht zulässig — diese Konsequenz überrascht viele Erstbesteller, ist aber rechtlich zwingend. Zusätzlich erhalten Sie eine Handlungsempfehlung zur Instandsetzung.
Phase 3: Prüfprotokoll und Nachbereitung
Das Prüfprotokoll ist Ihr zentraler Nachweis gegenüber Berufsgenossenschaft, Versicherung und Aufsichtsbehörden. Es muss vollständig und nachvollziehbar sein. Bei NeuraVolt wird es Ihnen nach der Prüfung digital bereitgestellt.
Pflichtangaben im Prüfprotokoll DGUV V3:
- Geräteliste mit Inventar- bzw. Seriennummer
- Standort des jeweiligen Geräts
- Gemessene Werte (Schutzleiter, Isolation, Berührungsstrom)
- Prüfergebnis (bestanden / nicht bestanden / mit Mängeln)
- Prüfdatum und Termin der nächsten Prüfung
- Name und Unterschrift der verantwortlichen Elektrofachkraft
Checkliste Nachbereitung:
- Protokoll archivieren: Empfohlen sind mindestens 5 Jahre, besser bis zur übernächsten Prüfung. Digitale Archivierung mit Volltextsuche erleichtert spätere Audits.
- Mängelgeräte bearbeiten: Reparatur durch Fachbetrieb, anschließend Wiederholungsprüfung — oder Aussonderung mit Entsorgungsnachweis.
- Folgetermin im Kalender vermerken: Die Prüfintervalle ergeben sich aus DGUV V3 in Verbindung mit der TRBS 1201 und liegen je nach Geräteart und Einsatzbedingungen typischerweise zwischen 6 Monaten und 4 Jahren (Orientierung: Prüffristen-Tabelle).
- Verantwortlichkeiten klären: Wer informiert die Geschäftsführung über kritische Mängel? Wer beauftragt Reparaturen?
Praxis-Tipp: Mit einer digital geführten Geräteliste und QR-Code-basierten Plaketten lassen sich Folgetermine einfacher planen. Das spart bei der nächsten Prüfung Zeit — und entlastet Sie von der manuellen Nachverfolgung.
Häufige Fragen
Muss der Betrieb während der Prüfung stillstehen?
Nicht zwingend. Viele Prüfungen lassen sich bereichsweise oder außerhalb der Hauptarbeitszeit planen. Die konkrete Umsetzung besprechen Sie am besten im Vorfeld mit dem Prüfdienstleister.
Gilt die Prüfpflicht auch für Geräte im Homeoffice?
Der Arbeitgeber bleibt grundsätzlich für die von ihm bereitgestellten Arbeitsmittel verantwortlich, unabhängig vom Einsatzort. Wie das im Homeoffice umgesetzt wird (z. B. Sichtprüfung durch Beschäftigte oder Gerätetausch in festen Intervallen), ist einzelfallabhängig. Eine pauschale Vorgabe gibt es nicht; klären Sie dies mit Ihrer Fachkraft für Arbeitssicherheit oder einem Prüfdienstleister.
Wer darf die DGUV V3 Prüfung durchführen?
Eine Elektrofachkraft oder, je nach Prüfobjekt, eine befähigte Person nach TRBS.
Was passiert, wenn Mängel festgestellt werden?
Die Mängel werden dokumentiert, das Gerät wird stillgelegt. Es darf erst nach Instandsetzung und erfolgreicher Wiederholungsprüfung wieder genutzt werden.
Fazit
Wer Geräteliste, Zugang und Ansprechpartner sauber vorbereitet, erlebt eine DGUV V3 Prüfung als strukturierten, planbaren Termin. Die Messungen nach DIN VDE 0701 und DIN VDE 0100-600 folgen einem klaren Schema, die Plakettierung schafft Transparenz, und ein vollständiges Prüfprotokoll sichert Sie rechtlich ab. Mit dieser Checkliste begleiten Sie Ihre erste Prüfung souverän — und legen den Grundstein für einen nachhaltigen Prüfzyklus in Ihrem Unternehmen. Wenn Sie den nächsten Schritt gehen möchten, können Sie unverbindlich ein Angebot anfragen.